Iris Krall-Radulian
Musik als Resonanzraum
Als Geigerin im Orchester Wiener Akademie und Musikerin in der palliativen Geriatrie der CS Pramergasse steht für mich das In-Beziehung-Treten im Mittelpunkt – auf der Konzertbühne ebenso wie in der Begegnung mit Menschen. Diese Haltung prägt mein künstlerisches Schaffen.
Curiculum Vitae
Lebenslauf
Iris Krall-Radulian absolvierte ihr Violinstudium zunächst in Salzburg bei Prof. Ruggiero Ricci und Prof. Lukas Hagen sowie später in Wien bei Prof. Peter Schuhmayer und Prof. Gerald Schubert. Sie schloss ihr Studium mit Auszeichnung ab. Bereits während dieser Zeit wurde sie mehrfach mit ersten Preisen und Sonderpreisen beim Wettbewerb „prima la musica“ ausgezeichnet. Zudem war sie Gewinnerin des Auswahlspiels für die Leihgabe eines wertvollen Instruments des Ernst-Alexander Maier-Gedächtnisfonds und wurde wiederholt Stipendiatin der Angelika-Prokopp-Stiftung der Wiener Philharmoniker.
Nach dem Sibelius-Violinkonzert im Jahr 2013 gastierte sie 2014 erneut als Solistin bei den Festwochen St. Pölten, diesmal mit Mozarts Violinkonzert KV 218. Bereits 2008 war sie als Solistin im Goldenen Saal des Mozarteums Salzburg zu hören. Nach ihrer Rückkehr aus der Mutterschaftskarenz trat sie 2017 beim Festival „Klangbrücke“ in Klosterneuburg auf. Im Mai 2019 war sie gemeinsam mit Marta Potulska im MuTh Wien in Mozarts Sinfonia Concertante solistisch zu erleben.
Neben ihrer solistischen Tätigkeit ist Iris Krall-Radulian regelmäßig in renommierten Orchestern tätig, darunter die Wiener Staatsoper, das RSO Wien sowie die Wiener Akademie, die Haydn Akademie und das Strauss Festival Orchester. Seit 2015 ist sie zudem Mitglied des „Varietas-Ensembles“, mit dem sie in unterschiedlichen Besetzungen vom Streichtrio bis zum Streichseptett auftritt. Konzerttätigkeiten führten das Ensemble unter anderem in das Wiener Konzerthaus, zu den Schubertiade-Festivals in Wien, zu den Festspielen auf Burg Golling, ins Stift Herzogenburg, zu den Schlosskonzerten im Schloss Mirabell Salzburg, zum Orgelfestival Lockenhaus, in die Curhauskapelle am Stephansplatz, zur Essen Werdener Orgelnacht, zu den Festspielen in Mallnitz sowie ins Josephinum Wien. Mehrfach gastierte das Ensemble zudem beim Eröffnungsfest der Salzburger Festspiele. Konzertreisen führten nach Israel und Italien.
Ergänzend zur Konzerttätigkeit engagiert sich Iris Krall-Radulian gemeinsam mit dem Varietas-Ensemble in sozialen Projekten für Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Regelmäßig gestaltet das Ensemble Konzerte im Bundesinstitut für Gehörlosenbildung sowie im Tageshospiz des Kinderhospiz Netz.
Im Zuge einer berufsbegleitenden Pflegeausbildung (2019/20) erweiterte sich ihre künstlerische Tätigkeit um einen neuen Schwerpunkt im sozialen Bereich. Seit deren Abschluss ist sie am Caritas Socialis Heim Pramergasse tätig, wo sie regelmäßig mit Bewohnerinnen und Bewohnern musiziert und gemeinsam mit der Heim- und Pflegedienstleitung Konzerte gestaltet. Seit Juni 2022 arbeitet sie dort zusätzlich als Seniorenbetreuerin mit Schwerpunkt Musik in der palliativen Geriatrie. In diesem Kontext entwickelte sich ihre intensive Auseinandersetzung mit Musik als Form von Beziehung, Kommunikation und Resonanz in der Arbeit mit Menschen in besonders sensiblen Lebenssituationen, insbesondere mit kognitiven Einschränkungen.
Künstlerische Praxis und Forschung
Musik in der palliativen Geriatrie – künstlerische Praxis und Forschung
Aus der täglichen Arbeit in der palliativen Geriatrie heraus verdichtete sich diese Erfahrung zunehmend zu einem zentralen inhaltlichen Schwerpunkt ihrer künstlerischen und beruflichen Tätigkeit. Was zunächst aus der praktischen Verbindung von Musik und Pflege entstand, entwickelte sich zu einer vertieften Auseinandersetzung mit der Frage, wie musikalische Interaktion in Grenzsituationen von Sprache, Gedächtnis und Identität wirkt.
Musik wird dabei nicht ausschließlich als Kunstform verstanden, sondern als Mittel der Kommunikation, Beziehung und emotionalen Teilhabe. Besonders in der palliativen Geriatrie eröffnet sie Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, die über verbale Kommunikation hinausreichen und Resonanz auch dort ermöglichen, wo Sprache nicht mehr trägt.
Der Begriff der Resonanz beschreibt hierbei – in Anlehnung an Hartmut Rosa – ein wechselseitiges In-Beziehung-Treten, in dem sich Menschen gegenseitig berühren und verändern. In der praktischen Arbeit zeigt sich diese Resonanz als zentrales Moment musikalischer Begegnung.
Musikalisches Handeln wird dabei als dialogischer Prozess verstanden, in dem Tempo, Klangfarbe, Dynamik und Phrasierung unmittelbar auf nonverbale Signale reagieren. Diese Form des Musizierens erfordert ein hohes Maß an Präsenz, Aufmerksamkeit und Sensibilität.
Im Verlauf der Tätigkeit wurde zunehmend deutlich, dass diese Erfahrungen nicht nur den sozialen und pflegerischen Kontext betreffen, sondern auch das eigene künstlerische Selbstverständnis nachhaltig verändern. Achtsames Zuhören, die Wahrnehmung feinster Impulse und die Fähigkeit, musikalisch zu reagieren, wirken unmittelbar auf Klanggestaltung, Zeitempfinden und Ausdruck.
Resonanz wird so zu einer zentralen künstlerischen Haltung, die sowohl im Pflegekontext als auch im Konzertsaal wirksam ist und das gesamte musikalische Arbeiten prägt. Diese Entwicklung bildet zugleich den Ausgangspunkt einer weiterführenden wissenschaftlichen Auseinandersetzung, in deren Rahmen sie derzeit eine Dissertation vorbereitet.
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